Montag, 30. März 2015

Tag 4. Den ersten Shanghai-Alleingang überlebt

Das erste Survival-Training im Großstadt-Dschungel ist erfolgreich beendet. Die Überlebenskünstler Sulamith und Kai machten sich heute morgen um zehn todesmutig auf den Weg in die unbekannten Gebiete der Stadt. Ausgerüstet mit einer Karte und einer Wegbeschreibung von Julia versuchten wir zunächst die Metro-Station zu erreichen, um dort im Supermarkt Tages-Verpflegung zu requirieren. Da wir aber prompt falsch abbogen (erst später fiel uns auf, dass auf den Straßenschildern auch Himmelsrichtungen angegeben sind), landeten wir natürlich in einen komplett unbekanntem Sektor der Stadt, aus dem wir uns nur durch die rettende Intervention eines kleinen Ladens, der uns mit Wasser und einer Grundration Goldbären ausstattete, zur nächsten Metro-Station durchschlagen konnten.
Eigentlich wäre das Wasser nicht nötig gewesen, den davon prasselte mittlerweile mehr als genug aus dem grau-trüben Himmel auf unsere Schirme hinab. Am Platz des Volkes kamen wir wieder an die Oberfläche, und hier, in der Haupt-Einkaufsstraße, der Nanjing Road, wurde die Situation auch gleich bedrohlich, der Super-GAU sozusagen: Sulamith hatte HUNGER!
In schierer Not retteten wir uns in den Shanghai No. 1 Food Store, wo wir uns aus purer Verzweiflung ein leckeres Hähnchen-Curry mit Tomaten und Reis teilten. Das Unglück konnte somit abgewendet werden, Sulamiths Magen war erstmal beruhigt. Zumindest für die nächsten zwei Stunden!
Gestärkt durch Nahrung und geschützt durch Regenschirme beschlossen wir todesmutig, eine Empfehlung aus unserem Reiseführer wahrzunehmen, und machten uns mit der Metro auf den Weg zum berühmten Teehaus in der Shanghaier Altstadt. Der Himmel versuchte und durch die spontane Ausschüttung weiterer Wassermassen daran zu hindern, doch durch die Macht unserer Schirme gelang es uns, halbwegs trocken erst die Altstadt zu erreichen und uns schließlich über die berühmte gezackte Brücke ins Teehaus zu retten.
Erst als wir in der oberen Etage Platz genommen hatten, erkannten wir, dass wir in eine üble Touristenfalle gelockt worden waren, wurden wir doch genötigt jeder eine Kanne sündhaft teuren gefärbten Wassers (aka Tee) zu erstehen. Nur unsere Erschöpfung, die Freude endlich im Trockenen sitzen zu können, und der anhaltende Regen sind Erklärung dafür, dass wir schließlich für zwanzig Euro zwei Kannen Jasmin-Tee in uns reinkippten, und ich staunend zusah wie Sulamith gleichzeitig die großzügig dargebotenen marmorierten Wachteleier, den von uns sogenannten Putzlappen-Tofu und die glibberigen Frucht-Bonbons in sich reinstopfte. Mein Magen war jedenfalls mehr als angestrengt damit beschäftigt, den nach Fichtennadel-Badezusatz schmeckenden Tee in sich zu behalten...
Als der Regen endlich nachließ, verließen wir das Tee-Nepp-Haus (natürlich nicht ohne vorher noch ein paar Mitbringsel zu kaufen) und schlenderten mäandrierend durch die für unseren Geschmack viel zu touristische Altstadt, und erreichten irgendwann wieder die bereits bekannte Metro-Station. Im jugendlichen Übermut wagten wir es, für den Rückweg eine alternative Bahnstrecke zu wählen, und erreichten so tatsächlich endlich die Bahnstation, die wir eigentlich morgens zu finden gehofft hatten. Prompt wurde dort eingekauft (typisch chinesische Nahrung wie Müsli, Baguette, Joghurt und Traubensaft), und so kamen wir mit unserer Beute schließlich stolz wie Oskar zurück in unsere Wohnung.
Wir hatten den ersten auf uns gestellten Tag in Shanghai überstanden!
Erschöpft von soviel Forscherdrang fiel ich erstmal in einen komatösen Nachmittagsschlaf, und danach ließen wir den Tag mit einem leckeren Essen in einem Yunnan-Restaurant und ein paar leichten Kartenspiel-Runden ausklingen.

1 Kommentar:

  1. Schade, dass es bei euch auch so schüttet. Ich dachte, die Wassermassen in Deutschland würden für den ganzen Erdball reichen. Ron lässt außer Grüßen an euch wagemutige Shanghai-Entdecker ausrichten, dass die Gau-Hunger-Zustände wohl eine frerichsche Eigenart seien. Passenderweise waren wir zu deren Bekämpfung gerade chinesisch essen :) Allerdings ohne Putzlappen-Tofu. Hat der Sulamith denn gemundet?

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