Dienstag, 31. März 2015

Tag 5: Die Perle

Während in Deutschland wieder Sturm und Unwetter toben, scheint das ganze schöne Wetter zu uns Shanghainesen gezogen zu sein: Bei traumhaftem Sonnenschein wurde wieder genüsslich auf der Terrasse gefrühstückt - aber natürlich erst um zehn, weil wir ja schön ausschlafen wollten. Und so war es schon fast halb elf als wie uns zur heutigen Entdeckungsreise aufmachten: Der Bezwingung der Perle!
Der Oriental Pearl Tower ist der markante Fernsehturm östlich des Huangpu-Flusses, der bis 2007 das höchste Gebäude Shanghais (und damit ganz Chinas) war, und da er in unseren Augen auch immer noch der sympathischte Wolkenkratzer ist, war er es würdig von uns eines Besuches bedacht zu werden. Die Anreise erfolgte wie gewohnt mit der Metro (Linie 2), und kaum hatten wie den Weg von der Metro-Station zum Fuß des Turmes zurückgelegt, waren wir auch schon nassgeschwitzt. Der Unmut wurde gleich noch größer, als wir feststellten, dass der Eintritt unser mitgebrachtes Budget zu sprengen drohte. Also wurden flugs ein paar Euro in Yuan gewechselt, und der Turmaufstieg konnte beginnen!
Die Schlange um Inneren des Turmes war zwar lang, trotzdem ging es dank der effizienten Chinesen schnell voran. Nachdem wir vom Fahrstuhl auf 265 Meter Höhe geschleudert worden waren, hatten wir einen spektakulären Rundumblick. Auch wenn man es fast nicht glauben mag: Für Shanghaier Verhältnisse ist der Himmel fast strahlend blau. Bei und zu Hause würde man die Sichtweite eher in Richtung "Bodennebel" einordnen!
Spektakulär war die untere Ebene, die mit einer begehbaren Glasplattform aufwarten konnte. Sulamith hatte keine Ambitionen das Glas zu betreten, ich selbst tat es nur höchst widerwillig. Aber für das resultierende Foto lohnte sich die Überwindung.
Das im Fuß des Turmes befindliche Shanghai-Museum war ganz nett, und da es auch im Eintrittspreis enthalten war, kann man auch nicht meckern. Aber ich war schon ziemlich fertig, aus wir endlich den Turm verließen.
Einer Empfehlung von Julia folgend, gingen wir zum Essen in die riesige Super Brand Mall, ein Einkaufs-Ungetüm, gegen das das Centro klein, gemütlich und bescheiden wirkt. Außer uns waren aber gefühlt nur drei andere Kunden da. Leider stellte sich heraus, dass das empfohlene Dumpling-Restaurant nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach (zu leer, zu schnieke, zu teuer, zu unpersönlich, und überhaupt - schon wieder Teigtaschen?), und so kauften wir nach gefühlten Stunden des Herumirrens nur ein Sandwich für Sulamith, ein Snickers für mich, und flüchteten aus der angeblich größten Mall Asiens.
"Wenn wir hier nichts zu essen kriegen, gehen wir halt zum Bund, da finden wir bestimmt was!" Haha - von wegen! Der Bund (die Pracht-Promenade am westlichen Flussufer) hat zwar eine schöne Aussicht auf die östliche Skyline, und war von Millionen von chinesischen Touristen bevölkert - aber leider fanden sich weit und breit keine Restaurants, die unseren bedrohlich wachsenden Hunger stillen konnten. Aus purer Verzweiflung entschieden wir uns für ein paar unappetitliche Fleischbällchen und Nudelrollen mit Sesamsoße, die zwar lukullisch einiges zu wünschen übrig ließen, aber den schlimmsten Hunger beseitigten.
Zu diesem Zeitpunkt war es bereits sechs Uhr, die Sonne ging langsam unter, die Skyline erwachte zu LED-blinkendem Leben. Kitschig, diesig, aber ein Erlebnis. Das wir aber nicht lange genossen: Wir waren beide saumüde, und hatten noch einen langen Heimweg vor uns...
Fußmarsch zur East Nanjing Road, Rückfahrt mit der Metro, Einkaufen in unserem Stamm-Supermarkt Carrefour, ein Eis am Stiel für unterwegs, und dann nur noch schnell nach Hause marschiert. Ankunft kurz nach acht. Beide Touris total erledigt. Für zwei Partien "The Game" (ein schönes kooperatives Kartenspiel) mit Julia und Jérôme reichte die Energie noch - aber jetzt brauche ich meinen Schlaf!
Morgen werden wir die Reise nach Peking planen. Bin gespannt, was daraus wird! Aber das werden wir morgen sehen. Gute Nacht!

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