Wieder zurück in Shanghai hatten wir nun das Problem, dass erstens der Großteil unserer Sightseeing-To-Do-Liste bereits abgearbeitet war, und zum anderen das liebenswerte Shanghaier Wetter (30 Liter Regen pro Quadratmeter) uns nicht viel Lust auf weitere Erkundungen machte. Daher blieb uns also nur der letzte Strohhalm jedes verzweifelten, kulturell halbwegs interessierten Touristen: Museen!
Am Platz des Volkes gab es noch einige von uns unentdeckte Museen, die trockenen Zeitvertreib versprachen, und so trotteten wir los Richtung Zhongshan-Park, sprich: zur Metro. Bevor es zum People's Square ging, machten wir noch einen Abstecher zum Bahnhof, um nach unserem vermissten China-Reiseführer zu suchen. Natürlich schauten uns die wie immer nicht englisch-sprachigen Mitarbeiter der Touristen-Info nur an wie Auto, und so mussten wir das Buch wohl oder übel abschreiben. Wir müssen uns für Marie, die uns das Buch geliehen hatte, wohl eine passendes Ersatz-Geschenk überlegen...
Der Platz des Volkes ist ein riesiger, von Hochhäusern umstandener Platz im Herzen von Shanghai, auf dem sich das Nationaltheater, diverse Regierungsgebäude sowie die besagten Museen tummeln. Sympathischerweise besteht der Platz aber nicht aus einer riesigen Betonwüste, sondern ist mit unzähligen Bäumen, einem Park und sogar einem kleinen Rummelplatz mit Karussell und anderen Fahrgeschäften verziert. Das gefiel uns um Längen besser als die Monumental-Freifläche in Beijing.
Das Shanghai Urban Exhibition Center ist ein moderner Bau, dessen Hauptattraktion ein riesiges Modell der gesamten Shanghaier Innenstadt ist. Von Anblick ist man auf den ersten Blick erschlagen, denn Größe und Detailgrad des Modells sind atemberaubend. Nach den eher langweiligen Ausstellungen der anderen Etagen war dieser Anblick allein schon die fünf Euro Eintritt wert. Wir knipsten wie Tier, um möglichst viel vom Gesamteindruck festzuhalten - aber man muss es einfach selber gesehen haben!
Mittlerweile war es auch schon wieder fortgeschrittener Nachmittag, und so stellte sich bei der werdenden Mutter das erwartete Hungergefühl ein. Nachdem wir uns mit den übrigen Menschenmassen (die für einen Feiertag aber trotzdem eher moderat wirkten) einen Weg in das Shanghai Museum gebahnt hatten, ging es erstmal schnurrstracks in die Cafeteria, um dort für Sulamith etwas zu Knabbern zu besorgen. Derart gestärkt konnten wir uns daran machen, die chinesische Kultur zu erkunden. Das Museum geht über vier Ebenen, und zeigt Ausstellungen zur chinesische Kunst, Kalligrafie, Währungen, Briefmarken, Jade-Schmuck, Töpferkunst, und Bronzearbeiten. Ausstellungsraum folgt auf Ausstellungsraum, Vitrine auf Vitrine, und nach der ersten halben Stunde war meine Aufmerksamkeitsspanne mehr als überschritten. Sulamith war aber natürlich gewillt, sich jeden Raum und jedes Ausstellungsstück mindestens kurz anzusehen, und so stapften wir zweieinhalb Stunden durch die betäubend langweilige Ausstellung. Hätte ich nicht mit dem Fokuseffekt meiner Handykamera rumspielen können, hätten meine Hirnzellen kollektiven Selbstmord begangen.
Durch strömenden Regen erreichten wir irgendwann wieder die Metro, fuhren zurück nach Zhongshan Park, kauften bei Carrefour ein (Julia hatte uns eine Einkaufsliste geschickt), und fuhren mit dem Taxi nach Hause. Mit Julia und Jérôme gingen wir dann beim Japaner um die Ecke essen, und die anderen drei ließen sich dann noch die Füße massieren, worauf ich nach keine Lust hatte und schonmal nach Hause ging. Meine Erkältung macht noch keine Anstalten zur Besserung, und die Wohnung ist echt scheißkalt. Langsam habe ich genug von Shanghai. Ich freue mich auf den Rückflug!
Montag, 6. April 2015
Tag 11: Museen
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