Während im fernen Deutschland gerade die letzte Gründonnerstags-Stunde halbiert wurde, klingelte irgendwo in einem Hutong im Xicheng-Distrikt von Beijing ein Handy-Wecker. Zwei schlaftrunkene Gestalten wuchten sich irgendwie aus ihren arg bequemen Betten, und zwingen sich zu den üblichen urlaubstagvorbereitenden Maßnahmen (i.e. Duschen, Frühstücken, Zähneputzen, Anziehen, Gähnen - nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge).
Um Punkt halb Sieben stolpern besagte Personen auf die Straße, wo sie von einen bereitstehenden Wagen abgeholt werden. Wirr geht die Fahrt durch Beijing, hier und dort werden weitere übernächtigte Gestalten eingesammelt. Irgendwann wird in ein größeres Fahrzeug, einen viel zu engen Bus, umgestiegen, und eine sehr schrill englisch sprechende Reisebegleiterin namens Lisa stieg zu. Und schließlich ließen die in den Bus gepferchten Gestalten die Großstadt hinter sich und fuhren hinaus in die Berge.
Zur Mauer!
Die Anreise ähnelte frappierend der Fahrt ins Tal der Könige im letzten Jahr: Durch ein karges Gebirgstal, in dem einige halb verlassene Touristen-Restaurants vor sich hinrotten, fuhr der Bus auf einen Parkplatz. Von hier machte sich die Truppe zu Fuß auf den Weg, der stramm vorausschreitenden Führerin hinterher. Im Unterschied zum Tal der Könige war hier das Ziel aber nicht das Tal an sich, sondern die darüber thronenden Berggipfel und -grate, auf denen, schon von unten sichtbar, majestätisch die ersten monumentalen Teile der großen chinesischen Mauer thronten. Zunächst dachten wir, dass wir den Anstieg zur Mauer heldenhaft zu Fuß erledigen würden, doch beim Anblick der Berge waren wir froh wie alle anderen die Seilbahn nehmen zu können.
Oben angekommen erhält man den Lohn für die lange Anreise: Der Blick über die Mauer ist grandios! So weit das Auge reicht, zieht sich das Konstrukt über die Berggrate, Wachturm folgt stoisch auf Wachturm, und auch wenn nur ein winziger Teil der alten Mauer dank Restauration heute noch steht, wird einem der Umfang dieses unglaublichen Projekts deutlich: Wir werden heute vielleicht vier Kilometer der Mauer erkunden, erklettern, erschwitzen. Die gesamte Mauer war aber dereinst über 22.000 Kilometer lang! Wir haben für die Bahnfahrt von Shanghai nach Beijing bei 300 km/h fünf Stunden gebraucht und dabei 1.500 Kilometer zurückgelegt. An der chinesischen Mauer hätten wir mehr als drei Tage lang entlangfahren müssen - ununterbrochen mit Höchstgeschwindigkeit!
Das Gefühl, über die Mauer zu laufen, ist einzigartig. Ständig hat man das Bedürfnis anzuhalten und Fotos machen zu müssen, oder einfach nur innezuhalten, um den Moment in sich aufzunehmen. Später kommt dann auch noch das Bedürfnis hinzu, anzuhalten, um einfach mal wieder zu Atem zu kommen, denn das erkraxeln der Mauer ist echt anstrengend!
Wir starteten bei Wachturm 4 und wanderten westwärts. Die Mauer ist nie lange eben, sondern folgt immer der Steigung des Berges, und so gibt es oft sehr steile Abschnitte, die noch zudem durch sehr kleine und unregelmäßige Stufen zur Stolperfalle werden. Auch wenn man es anfangs gar nicht bemerkt, legt man doch erstaunlich viele Höhenmeter zurück. Als wir schließlich, nach anderthalb Stunden, bei Wachturm 14 angekommen waren, der majestätisch am Kopf eines Arschloch-Anstiegs liegt, waren wir schon so k.o., dass wir uns nur noch im Schneckentempo fortbewegen konnten. Ich weiß nicht, wie Sulamith das mit ihrem dicker werdenden Bauch geschafft hat, aber ich selbst war gut geschafft, als wir uns endlich wieder auf den Rückweg machten, der gnädigerweise größtenteils bergab verlief. Man muss sich mal vorstellen, diesen Weg in schwerer Kampfmontur, bei Wind und Wetter, und ohne Seilbahn, zurücklegen zu müssen. Und das jeden Tag! Das kommt einen ein Bürojob doch gar nicht mehr sooo anstrengend vor...
Durchgeschwitzt, erschöpft, aber glücklich kamen wir wieder am Ausgangspunkt, Wachturm 4, an, und da Sulamith schwanger ist, wählten wir für den Abstieg nicht die Rodelbahn, sondern wie zuvor die Seilbahn, die zwar auch in erschreckender Höhe zu Tal schaukelte - aber man konnte wenigstens sitzen!
Das abschließende Mittagessen war im Preis inkludiert, und so saßen alle Reisegruppenmitglieder gemeinsam an zwei Tischen. Wir hatten glücklicherweise einen amerikanischen Rentner am Tisch, der gut den Smalltalk in Hang hielt. Sitzen und essen taten echt gut! Denn eins hatten wir heute wahrlich gelernt: Die Chinesische Mauer ist in Wirklichkeit viel imposanter als auf allen Fotos - aber auch viel anstrengender!
Die Rückfahrt nach Beijing dauerte über zwei Stunden, und so war es schon nach halb fünf, als wir am Himmelstempel abgesetzt wurden. Leider genau fünf Minuten zu spät: Die Kassen hatten gerade geschlossen. Und so fuhren wir erstmal nach Wangfujing, um dort etwas zu essen zu ergattern, und ein paar Vorräte einzukaufen. Und als wir dann endlich wieder nach Hause in unserem Hutong ankamen, war es schon wieder halb neun.
China ist toll, Shanghai ist toll, Beijing ist toll - aber nach diesem Urlaub brauche ich Urlaub!
Um Punkt halb Sieben stolpern besagte Personen auf die Straße, wo sie von einen bereitstehenden Wagen abgeholt werden. Wirr geht die Fahrt durch Beijing, hier und dort werden weitere übernächtigte Gestalten eingesammelt. Irgendwann wird in ein größeres Fahrzeug, einen viel zu engen Bus, umgestiegen, und eine sehr schrill englisch sprechende Reisebegleiterin namens Lisa stieg zu. Und schließlich ließen die in den Bus gepferchten Gestalten die Großstadt hinter sich und fuhren hinaus in die Berge.
Zur Mauer!
Die Anreise ähnelte frappierend der Fahrt ins Tal der Könige im letzten Jahr: Durch ein karges Gebirgstal, in dem einige halb verlassene Touristen-Restaurants vor sich hinrotten, fuhr der Bus auf einen Parkplatz. Von hier machte sich die Truppe zu Fuß auf den Weg, der stramm vorausschreitenden Führerin hinterher. Im Unterschied zum Tal der Könige war hier das Ziel aber nicht das Tal an sich, sondern die darüber thronenden Berggipfel und -grate, auf denen, schon von unten sichtbar, majestätisch die ersten monumentalen Teile der großen chinesischen Mauer thronten. Zunächst dachten wir, dass wir den Anstieg zur Mauer heldenhaft zu Fuß erledigen würden, doch beim Anblick der Berge waren wir froh wie alle anderen die Seilbahn nehmen zu können.
Oben angekommen erhält man den Lohn für die lange Anreise: Der Blick über die Mauer ist grandios! So weit das Auge reicht, zieht sich das Konstrukt über die Berggrate, Wachturm folgt stoisch auf Wachturm, und auch wenn nur ein winziger Teil der alten Mauer dank Restauration heute noch steht, wird einem der Umfang dieses unglaublichen Projekts deutlich: Wir werden heute vielleicht vier Kilometer der Mauer erkunden, erklettern, erschwitzen. Die gesamte Mauer war aber dereinst über 22.000 Kilometer lang! Wir haben für die Bahnfahrt von Shanghai nach Beijing bei 300 km/h fünf Stunden gebraucht und dabei 1.500 Kilometer zurückgelegt. An der chinesischen Mauer hätten wir mehr als drei Tage lang entlangfahren müssen - ununterbrochen mit Höchstgeschwindigkeit!
Das Gefühl, über die Mauer zu laufen, ist einzigartig. Ständig hat man das Bedürfnis anzuhalten und Fotos machen zu müssen, oder einfach nur innezuhalten, um den Moment in sich aufzunehmen. Später kommt dann auch noch das Bedürfnis hinzu, anzuhalten, um einfach mal wieder zu Atem zu kommen, denn das erkraxeln der Mauer ist echt anstrengend!
Wir starteten bei Wachturm 4 und wanderten westwärts. Die Mauer ist nie lange eben, sondern folgt immer der Steigung des Berges, und so gibt es oft sehr steile Abschnitte, die noch zudem durch sehr kleine und unregelmäßige Stufen zur Stolperfalle werden. Auch wenn man es anfangs gar nicht bemerkt, legt man doch erstaunlich viele Höhenmeter zurück. Als wir schließlich, nach anderthalb Stunden, bei Wachturm 14 angekommen waren, der majestätisch am Kopf eines Arschloch-Anstiegs liegt, waren wir schon so k.o., dass wir uns nur noch im Schneckentempo fortbewegen konnten. Ich weiß nicht, wie Sulamith das mit ihrem dicker werdenden Bauch geschafft hat, aber ich selbst war gut geschafft, als wir uns endlich wieder auf den Rückweg machten, der gnädigerweise größtenteils bergab verlief. Man muss sich mal vorstellen, diesen Weg in schwerer Kampfmontur, bei Wind und Wetter, und ohne Seilbahn, zurücklegen zu müssen. Und das jeden Tag! Das kommt einen ein Bürojob doch gar nicht mehr sooo anstrengend vor...
Durchgeschwitzt, erschöpft, aber glücklich kamen wir wieder am Ausgangspunkt, Wachturm 4, an, und da Sulamith schwanger ist, wählten wir für den Abstieg nicht die Rodelbahn, sondern wie zuvor die Seilbahn, die zwar auch in erschreckender Höhe zu Tal schaukelte - aber man konnte wenigstens sitzen!
Das abschließende Mittagessen war im Preis inkludiert, und so saßen alle Reisegruppenmitglieder gemeinsam an zwei Tischen. Wir hatten glücklicherweise einen amerikanischen Rentner am Tisch, der gut den Smalltalk in Hang hielt. Sitzen und essen taten echt gut! Denn eins hatten wir heute wahrlich gelernt: Die Chinesische Mauer ist in Wirklichkeit viel imposanter als auf allen Fotos - aber auch viel anstrengender!
Die Rückfahrt nach Beijing dauerte über zwei Stunden, und so war es schon nach halb fünf, als wir am Himmelstempel abgesetzt wurden. Leider genau fünf Minuten zu spät: Die Kassen hatten gerade geschlossen. Und so fuhren wir erstmal nach Wangfujing, um dort etwas zu essen zu ergattern, und ein paar Vorräte einzukaufen. Und als wir dann endlich wieder nach Hause in unserem Hutong ankamen, war es schon wieder halb neun.
China ist toll, Shanghai ist toll, Beijing ist toll - aber nach diesem Urlaub brauche ich Urlaub!









Echt schön, das hier zu lesen. Bringst du mir was vom Chinamann mit? Das hat ja eine ganz neue Bedeutung jetzt...
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AntwortenLöschenhuiu! Bei euch wird es wirklich nie langweilig. Was für erlebnisreiche Urlaubstage! Jetzt war der Zellhaufen auch schon auf der Chinesischen Mauer:) Liebe Grüße und gutes Durchschnaufen*
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